Indirekte Rede

 

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Der Unterschied zwischen direkter und indirekter Rede

Direkte oder wörtliche Rede bedeutet, dass wir Wort für Wort wiedergeben, was jemand sagt. Also ein Zitat:

Osman sagt: “Ich bin krank.”

Im geschriebenen oder gedruckten Text macht man durch die Anführungszeichen “….” deutlich, dass es ein Zitat ist. Und die Person wechselt: Zuerst wird von Osman in der dritten Person gesprochen (“er sagt”), aber  wenn wir dann wörtlich wiedergeben, was er gesagt hat, dann heißt es “Ich bin krank”, also erste Person. So macht man für die Lesenden klar: Hier spricht nicht der, der diesen Text geschrieben hat, sondern hier spricht eine andere Person, über die berichtet wird.

Aber in der gesprochenen Sprache gibt es keine Anführungszeichen. Man muss es irgendwie anders machen.

Der Konjunktiv I als Markierung für die indirekte Rede

In der Umgangssprache wirst du oft hören:

Osman sagt, dass er krank ist.

Doch damit wird Osmans Kranksein wie eine Tatsache ausgedrückt. Aber ist er wirklich krank? Oder sagt er das nur, um sich zu entschuldigen? Will ich das überhaupt bewerten? Wie kann ich in der gesprochenen Sprache ausdrücken, dass es sich um Osmans Aussage handelt, von der ich nicht weiß, ob sie wahr ist? – Um das zu machen, benutzen wir die indirekte Rede. Grammatisch brauchen wir dazu den Konjunktiv I:

Osman sagt, dass er krank sei.

Mit dem Konjunktiv I distanzieren wir uns von dem Gesagten: Ich gebe jetzt das wieder, was Osman gesagt hat; ich sage nicht, ob das richtig oder falsch ist. Der Konjunktiv hat also hier die gleiche Funktion wie die Anführungszeichen in der direkten Rede.

Du findest die indirekte Rede besonders häufig in der Berichterstattung von Zeitungen, Radio oder Fernsehen. Wenn die Medien berichten wollen, was jemand gesagt hat, benutzen sie die indirekte Rede, um eine objektive und distanzierte Haltung einzunehmen.

Auf dem Niveau B1 und B2 musst du die indirekte Rede vor allem verstehen können. Auf dem C1-Niveau musst du sie aktiv beherrschen, z.B. beim Schreiben von Protokollen oder wissenschaftlichen Texten.

Formen der indirekten Rede

Die indirekte Rede wird eingeleitet mit einem Ausdruck dafür, dass jemand etwas sagt oder denkt. Dafür gibt es viele Ausdrucksweisen; wenn du in indirekter Rede schreibst, achte darauf, die Ausdrucksweisen abzuwechseln. Also z.B.:

“Herr Meier sagte,… ” / “Frau Müller erklärte,…” / “Inga meint,…” / “Emal entgegnete,…” / “Dr. Zaimoglu äußerte die Ansicht,…” / “Die Kanzlerin gab zu bedenken,…” / “Der Gesundheitsminister wandte dagegen ein,…” / “Amal glaubte, …” / “Ich habe gedacht,…”

Und dann gibt es zwei Möglichkeiten, den Satz nach dem Komma fortzusetzen:

  1. mit einem Nebensatz, der mit “dass” beginnt – das Verb im Konjunktiv steht dann am Ende wie bei jedem Nebensatz.
  2. mit einem zweiten Hauptsatz – das Verb im Konjunktiv muss also an Position 2 stehen.

Beispiel:

  1. Frau Müller sagte, dass sie sich nicht gesund fühle.
  2. Frau Müller sagte, sie fühle sich nicht gesund.

Die Form b. hat einen großen Vorteil: Nachdem man einmal zum Ausdruck gebracht hat, dass hier jemand etwas sagt, kann man einfach mit Hauptsätzen im Konjunktiv weitermachen. Mit Nebensätzen geht das natürlich nicht, weil sie nicht allein stehen können. Beispiel:

Frau Müller sagte, sie fühle sich nicht gesund. Sie sei gestern im Regen nass geworden und habe beim Warten an der Bushaltestelle entsetzlich gefroren. Sie habe sich bestimmt eine Erkältung zugezogen.Womöglich werde sie noch eine Blasenentzündung bekommen.

Und so weiter – alles was Frau Müller gesagt hat, bis dann eine andere Person etwas sagt.

Die Zeitenfolge

Wann etwas passiert  – hier also: wann etwas gesagt oder gedacht wird – wird durch die Zeitstufe des Verbs markiert, das für “Sagen” oder “Denken” steht. Die Zeitstufe des Verbs, das im Konjunktiv steht, drückt die dazu relative Zeit aus: Präsens = gleichzeitig, Perfekt = vorzeitig, Futur = zukünftig. Das klingt kompliziert, ist aber im obigen Beispiel alles schon enthalten.

Frau Müller sagt(e),….

Frau Müller wird auch nächste Woche wieder sagen….

sie fühle sich nicht gesund. (jetzt, zum Zeitpunkt zu dem sie das sagt)
sie sei im Regen nass geworden. (am Tag zu vor)
sie werde eine Blasenentzündung bekommen. (später am Tag oder am folgenden Tag)

Wenn wir also die Zeitstufe des Verbs “sagen” ändern, ändert sich dadurch die Zeitstufe des Satzes mit der indirekten Rede nicht! Die ändert sich nur, wenn sich die relative Zeit ändert, z.B. wenn Frau Müller die Blasenentzündung schon bekommen hat:

Frau Müller sagt, sie habe eine Blasenentzündung bekommen.

Der Konjunktiv II als Ausweichlösung, wenn sich der Konjunktiv I nicht vom Indikativ unterscheidet

In der Umgangssprache wirst du auch oft den Konjunktiv II hören:

Osman sagt, dass er krank wäre.

Aber der Konjunktiv II ist eigentlich reserviert für “irreale” Aussagen. Wenn ich “wäre” sage, dann klingt immer mit: “Aber in Wirklichkeit stimmt das nicht”. So wie in dem Satz “Wenn Osman hier wäre, dann könnten wir sehen, ob er wirklich krank ist” (aber er ist ja nicht hier).

Allerdings: Manchmal kommen wir auch in der indirekten Rede nicht ohne Konjunktiv II aus. Denn manche Formen des Konjunktiv I unterscheiden sich nicht vom Indikativ (der normalen Aussageform), und dann kann man nicht erkennen, dass es indirekte Rede ist. Beispiel:

Sie sagten, dass sie weggehen.

In der 3. Person Plural “sie” (ebenso wie in der Höflichkeitsform “Sie”) lautet der Konjunktiv I “sie gehen weg” – genauso wie der Indikativ. Also hilft man sich mit:

Sie sagten, dass sie weggehen würden.

Manche “starken” Verben (das sind die Verben, die ihren Stammlaut bei Konjugation und Zeitenfolge ändern) haben eigenständige Konjunktiv II-Formen, die man alternativ zur Konstruktion mit “würde” benutzen kann, z.B. “ich sähe / ich würde sehen”, “ich wüsste / ich würde wissen”.

Für die Hilfs- und Modalverben sowie für einige starke Verben findest Du auf den folgenden Seiten Tabellen mit den Formen des Konjunktiv I und mit Hinweisen, wann man auf den Konjunktiv II ausweichen muss:

sein und haben

können und müssen

dürfen und sollen

mögen und wollen

sehen und wissen