Adjektive aus Verben bilden

 

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Adjektive mit der Nachsilbe -bar

Man kann im Deutschen viele Adjektive aus Verben bilden. Die größte Gruppe wird aus dem Verbstamm und der Nachsilbe -bar gebildet . Der Verbstamm ist das, was vom Verb übrigbleibt, wenn du die Infinitiv-Endung -en weglässt:

ess/en – essbar

hör/en – hörbar

Das ist sehr praktisch beim Deutschlernen: Wenn du das Verb kennst, dann kennst du auch die Bedeutung des Adjektivs auf -bar. Denn die Nachsilbe -bar drückt fast immer eine Möglichkeit aus. Wenn etwas essbar ist, dann bedeutet das: Das kann man essen. Wenn etwas hörbar ist, kann man es hören.

Eine Besonderheit haben wir bei sehen: Was man sehen kann, ist sichtbarsehbar gibt es nicht, wohl aber die zusammengesetzten Formen:

absehbar, vorhersehbar: man kann es schon vorher wissen

einsehbar: a) man kann hineinsehen; b) man kann es begreifen, nachvollziehen

übersehbar: man kann es gut überschauen

unübersehbar: man kann nicht daran vorbeischauen

Kann man das mit jedem Verb machen?

Intransitive Verben

Nein: Grundsätzlich fallen  aus diesem Muster alle Verben heraus, die kein Akkusativ-Objekt haben können. Man nennt sie die intransitiven Verben – im Unterschied zu den transitiven, die ein Akkusativ-Objekt haben können. Ein gutes Beispiel ist das Verb helfen. Es kommt nur mit Dativ-Objekt vor, niemals mit Akkusativ-Objekt:

Ich helfe der Mutter beim Kochen.
Ich helfe dem alten Mann beim Überqueren der Straße.

Ohne Akkusativ-Objekt kann man nicht sagen: Das kann man helfen. Oder im Passiv: Das kann geholfen werden. Ich habe diese Beispiele durchgestrichen, weil sie falsch sind. Und wenn man nicht sagen kann: Das kann man helfen, dann gibt es auch nicht helfbar oder hilfbar.

Ausnahmen sind hier dankbar und streitbar. Denn auch danken und streiten können kein Akkusativ-Objekt haben: Ich danke dir – ich streite mit dir. Beide Adjektive – dankbar und streitbar – drücken übrigens eine Bereitschaft oder Haltung aus, nicht wie die anderen Adjektive auf -bar eine Möglichkeit.Wenn jemand dankbar ist, dann ist er gerne bereit zu danken, oder er hat gerade ein Geschenk bekommen und fühlt Dankbarkeit. Wenn jemand streibar ist, dann fängt er leicht einen Streit an. Man kann diese beiden Adjektive nicht umformen in einen Satz mit das kann man

Transitive Verben

Bei den transitiven Verben ist auch nicht immer ein Adjektiv mit -bar gebräuchlich. Aber man wird dich verstehen, wenn du sagst, etwas sei holbar. Du kannst im Duden, der Autorität für die deutsche Sprache, suchen ob es ein Wort gibt. Aber der Dudenist bei den Adjektiven mit -bar nicht immer logisch. Wenn du z.B. streichbar eingibst, wirst du weitergeleitet zum Stichwort Schmelzkäse mit der Information, dass es sich hierbei um einen streichbaren Käse handelt. Aber das Wort streichbar gibt es laut Duden gar nicht…

Also nur Mut beim kreativen Umgang mit der deutschen Sprache! Schlimmstenfalls wird man über das von dir erfundene Wort lachen, aber man versteht dich, wenn du sagst: Vorsicht, das Fahrrad ist klaubar, wenn du es nicht abschließt!

Vorsicht vor Bars!

Bei den Wörtern auf -bar gibt es das Problem, dass bar auch das englische Wort für  Stange oder Stab ist. Jede Art von Trink- oder Esslokal, wo man an einer Theke steht oder sitzt, die oft von einer Stange oder einem Geländer umgeben ist, heißt deshalb Bar. Das englische Wort kommt einerseits über die Gastronomie und andererseits über Computerbegriffe in die deutsche Sprache. So haben wir es dann mit Nachtbars, Minibars und Sushi-Bars zu tun, aber auf dem Computerbildschirm auch mit Taskbars und Toolbars . Besonders lustig wird es bei tanzbar: Die Tanzbar ist eine Bar, in der man tanzen kann. Aber man kann auch über eine Musik sagen, sie sei tanzbar, d.h. nach dieser Musik kann man tanzen. Dann ist tanzbar ein Adjektiv, das aus dem Verb tanzen und der Nachsilbe -bar gebildet wurde.

Und schließlich hat unser Nachbar weder etwas mit Bars zu tun noch mit der Nachsilbe -bar bei Adjektiven. Der Duden sagt, dass dieses –bar eine verkürzte Form von Bauer ist: In einer Zeit, als noch fast alle Familien Bauern waren, war der Nachbar einfach der nächste Bauer. Im nördlichen Teil Deutschlands findet man häufig den Familiennamen Niebur, Niebuhr oder Nieber. Das bedeutet nichts anderes als Nachbar oder nächster Bauer auf Niederdeutsch.

Adjektive mit der Nachsilbe -lich

Es gibt mindestens so viele Adjektive auf -lich wie auf -bar. Aber sie sind nicht alle von Verben abgeleitet. Königlich kommt von König (also von einem Nomen) und bezeichnet das, was dem König gehört (der königliche Garten) oder ihm ähnlich ist (ein königliches Essen – Essen wie bei einem König)Rötlich ist ein Beispiel für Adjektive auf -lich, die von anderen Adjektiven kommen, hier rot. Die Nachsilbe -lich schwächt hier die Bedeutung ab: Wenn etwas rötlich ist, dann ist nicht richtig rot, sondern nur ein bisschen rot. Genauso geht es mit allen anderen Farben, aber auch mit Geschmack: süßlich. Eine Familie kann arm sein, und dann ist ihre Wohnung meistens ärmlich. Gegenstände sind nicht arm, sondern ärmlich; nur Personen können arm sein.

Bei den Adjektiven auf -lich, die von einem Verb abgeleitet sind, ist die Bedeutung nicht so eindeutig wie bei den Adjektiven auf -bar. Wenn jemand kläglich, jämmerlich oder weinerlich spricht, dann könnte man auch klagend, jammernd oder weinend sagen: Das Adjektiv bezeichnet den Ton des Sprechens, nicht wie bei der Endsilbe -bar eine Möglichkeit.

Aber es gibt auch von Verben abgeleitete Adjektive, bei denen die Endsilbe -lich genau die gleiche Bedeutung hat wie bei anderen Adjektiven die Endsilbe -bar. Beispiele:

käuflich = man kann es kaufen (kaufbar gibt es nicht)
verständlich = man kann es verstehen, es ist verstehbar
begreiflich = man kann es begreifen (gedanklich nachvollziehen), es ist begreifbar
vermutlich = man kann es vermuten (aber nicht genau wissen – vermutbar gibt es nicht)
zerbrechlich = zerbricht leicht, kann (man) leicht zerbrechen (zerbrechbar gibt es nicht)

Adjektive mit der Nachsilbe -sam

Mit den Adjektiven auf -sam ist es ähnlich wie mit denen auf -lich: Nicht alle sind von Verben abgeleitet, sondern manche kommen von Adjektiven (z.B. satt – sattsam) oder von Nomen (z.B. Gewalt – gewaltsam). Aber viele lassen sich auch auf Verben zurückführen, z.B.:

folgsam = bereit zu folgen
fügsam = bereit sich zu fügen
sparsam = darauf bedacht zu sparen
achtsam = bereit auf andere, sich selbst und die Umwelt zu achten
biegsam = leicht zu biegen, elastisch, flexibel
beugsam = bereit, unter Druck nachzugeben

Sachen können biegsam sein, Menschen können beugsam sein. Häufiger hört man das Gegenteil: Jemand ist unbeugsam, d.h. sie oder er gibt nicht nach, wenn sie oder er überzeugt ist, im Recht zu sein. Bei diesen Beispielen haben wir Bedeutungen, die ganz ähnlich sind wie die Adjektive mit der Nachsible -bar. Man könnte genausogut sagen, der Stängel einer Blume sei biegbar und ein Freiheitskämpfer sei unbeugbar.

Mehrfachbildungen und ihre Bedeutungsunterschiede

Manche Adjektive kommen mit -bar und –lich, mit -bar und -sam oder mit -lich und -sam als Endsilbe vor. Manchmal bedeuten solchen Paare das Gleiche, und manchmal gibt es Bedeutungsunterschiede. Hier einige Beispiele für häufig vorkommende Adjektive.

Gleiche Bedeutungen

biegsam = biegbar: man kann es biegen
ehrsam = ehrbar: man kann/sollte diese Person ehren
ersetzlich = ersetzbar: man kann es ersetzen, austauschen
fasslich = fassbar: man kann es gedanklich (er-)fassen
(be-)greiflich = (be-)greifbar: man kann es gedanklich begreifen
leserlich = lesbar: man kann es lesen (nur lesbar: man kann es mit Freude oder Erkenntnisgewinn lesen)
merklich = merkbar
sichtlich = sichtbar
sorglich = sorgsam: voller (Für-)Sorge oder Aufmerksamkeit
übersichtlich = übersehbar
unsäglich = unsagbar (nur in der Verneinung mit un-; säglich gibt es nicht)
verkäuflich = verkaufbar
verständlich = verstehbar

Mit Bedeutungsunterschieden

achtbar = (Hoch-)Achtung verdienend
achtsam = bereit auf andere, sich selbst und die Umwelt zu achten

empfindlich = reagiert stark auf körperliche oder seelische Reize
empfindsam = nur auf Stimmungen und Gefühle bezogen

lösbar = kann man lösen (Aufgabe, Problem)
löslich = löst sich in Flüssigkeit auf (Zucker, Salz, Medikament…)

mitteilbar = kann man mitteilen, jemandem erzählen
mitteilsam = erzählt viel und gern

nützlich kann etwas auch von sich aus sein: Bienen sind nützlich für die Bestäubung der Blüten.
nutzbar ist etwas, das man (be-)nutzen kann: Diese Teleskopstange ist als Gardinenstange und in der Dutsche nutzbar.

strafbar = kann bestraft werden, wenn du es tust: Diebstahl ist strafbar.
sträflich = so schlimm, dass es eigentlich bestraft werden müsste – meistens mit dem Verb vernachlässigen: Elena hat in letzter Zeit ihr Schwimmtraining sträflich vernachlässigt.

Bildung des Gegenteils mit der Vorsilbe -un

Bei sehr vielen der Adjektive mit den Endsilben -bar und -lich kann man mit der Vorsilbe das Gegenteil, also die Unmöglichkeit ausdrücken:

undenkbar = kann man nicht denken, kann man sich nicht vorstellen
unmerklich = kann man nicht (be-) merken
undenkbar = kann man nicht denken, kann man sich nicht vorstellen
unzerstörbar = kann man nicht zerstören
unleserlich, unlesbar = kann man nicht (gut) lesen

Bei anderen dieser Adjektive ist die Vorsilbe un- nicht gebräuchlich; man benutzt zur Verneinung einfach nicht:

nicht essbar (unessbar gibt es nicht)
nicht machbar (unmachbar gibt es nicht)
nicht fraglich (unfraglich gibt es nicht)
nicht käuflich (unkäuflich gibt es nicht) – aber unverkäuflich ist richtig!

Leider gibt es keine Regel dafür, welche Adjektive mit un- verneint werden können und welche nicht. Hier hilft nur die Nachahmung: Halte Augen und Ohren offen, was du geschrieben siehst und gesprochen hörst, und versuche dich danach zu richten.

Übungen

Übungen zur Bildung von Adjektiven aus Verben gibt es hier.

 

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